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Kurt Ackermann, Das Gesamtwerk des Architekten Hrsg. Matthias Schirren/Akademie der Künste Berlin, 300S., 574 Abb., Duplex gebunden, Euro 78,00, Hatje Cantz, Ostfildern |
Kurt Ackermann ist Pragmatiker, Praktiker und Perfektionist. Er studierte nach seiner Gesellenausbildung zum Tischler und Maurer Architektur und bewahrte sich als echter Praktiker die ihm eigene Skepsis rein theoretischen Überlegungen gegenüber. Vielmehr verstand er sich als Vertreter der Ingenieursbaukunst, der mit seiner Suche nach ausgefeilten technischen Lösungen, dem Einsatz neuer Materialien und intelligenter Bauphysik und Statik zu innovativen Lösungen kam. Frei Otte, sein Kollege an der Uni Stuttgart, an der er auch über 20 Jahre unterrichtete, war ein Geistesverwandter im Entwerfen und Bauen. Ein Interview mit Frei in diesem Band bringt das gegenseitige respektvolle Verhalten zum Ausdruck.
Klassisch in der Univers gesetzt, schwarz und grau in Duplex gedruckt, bringt dieses großformatige Buch die umfassendste Werkschau mit 34 ausgewählt detailliert bebilderten Projekten. Es knüpft an die von Otl Aicher und Hans Neudecker gestalteten Bücher für den Architekten an. Wohnen, Verwalten, Industrie, Lehre, Stadttechnik, Sport, Brücken und Kirche bilden eine eindrucksvolle Bandbreite ab. Zu den bekanntesten zählen das Eislaufzelt im Olympiapark in München und die Messehalle für die Expo 2000 in Hannover. Das Eislaufzelt wurde zu seiner Zeit als wegweisendes Beispiel für ein weitgespanntes leichtes Flächentragwerk besprochen. Ackermann reduziert das notwendige Material auf ein Minimum, verlangt der Konstruktion ein Maximum an Tragfähigkeit und Spannweite ab und erzeugt mit ingenieurstechnischer Intelligenz einen ästhetisch herausragenden Raum. Mit einer ähnlichen Grundhaltung geht Ackermann auch an andere bauliche Aufgaben und die Lehre heran. Einfache Ideen, einfache Umsetzung und maximale Ausnutzung der Ressoursen im Sinne der Bauaufgabe machen ihn zu einem frühen Vertreter der Nachhaltigkeit in einer Zeit des Wirtschaftsbooms der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie machen ihn damit zu einem stillen, aber bedeutenden Vertreter deutscher Architektur der Nachkriegszeit.
(Erwin K. Bauer)